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Stolpersteine erinnern im Laascher Weg

Stolpersteine am Laascher Weg 7: Die Geschichte der Menschen hinter den Namen

Mit der Verlegung von vier Stolpersteinen am Laascher Weg 7 hat die Stadt Ludwigslust ein weiteres sichtbares Zeichen des Erinnerns gesetzt. Zahlreiche Gäste waren in der vergangenen Woche zu der würdevollen Gedenkveranstaltung gekommen, darunter Nachfahren der Familie Witkowski, Vertreter aus Politik und Gesellschaft, Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums und der Edith-Stein-Schule sowie der Künstler Gunther Demnig, der die Steine persönlich in das Pflaster einsetzte.

Bürgermeister Stefan Pinnow begrüßte die Anwesenden und erinnerte daran, dass Stolpersteine kleine Messingtafeln mit großer Bedeutung sind. „Wer hier stolpert, stolpert in Gedanken“, sagte er. Sie erinnern an Menschen, deren Leben durch das nationalsozialistische Regime zerstört oder tief geprägt wurde – auch hier in Ludwigslust.

Der Laascher Weg ist inzwischen der vierte Ort in der Stadt, an dem Stolpersteine verlegt wurden. Weitere Gedenkorte befinden sich in der Schweriner Straße, in der Schloßstraße an der Ecke Gartenstraße sowie in der Kanalstraße. Gemeinsam bilden sie ein wachsendes Netz des Erinnerns im Stadtbild.

Die Steine am Laascher Weg 7 erzählen die Geschichte der Familie Witkowski. Kurt Witkowski wurde im April 1906 in München geboren. Sein Vater Maximilian gehörte der jüdischen Gemeinde an, seine Mutter Caroline war evangelisch-lutherisch. Die Kinder wurden evangelisch getauft und erzogen. Nach der nationalsozialistischen Rassenideologie galt Kurt Witkowski dennoch als „Halbjude“ und verlor früh seine Stellung bei der Reichswehr.Kurz zuvor hatte er Eva Gaartz geheiratet. In den Jahren 1935 und 1937 wurden ihre beiden Kinder geboren: Tochter Eva und ihr Bruder Kurt. Ende der 1930er-Jahre gelang es der Familie, ein Haus im damaligen Heldenhainweg – dem heutigen Laascher Weg 7 – zu bauen.

Doch der Alltag der Familie war zunehmend von Ausgrenzung und Anfeindungen geprägt. Zeitzeugenberichte und persönliche Aufzeichnungen zeigen, dass sie immer wieder beleidigt oder zurückgesetzt wurden – auch die Kinder blieben davon nicht verschont.

Trotz dieser schwierigen Umstände halfen Kurt und Eva Witkowski anderen Menschen. Ab 1939 nahmen sie Kinder aus ähnlich betroffenen Familien zeitweise bei sich auf. Zudem unterstützten sie untergetauchte Juden in Berlin mit Lebensmitteltransporten und versorgten osteuropäische Zwangsarbeiter in der Umgebung mit Lebensmitteln.

Der Druck des nationalsozialistischen Regimes wurde jedoch immer größer. Aus Angst vor weiterer Verfolgung entschloss sich das Ehepaar schließlich zur Scheidung, um die Familie zu schützen. Kurz darauf wurde Kurt Witkowski in das Arbeitslager Rothenförde zwangsverpflichtet. Eva Witkowski verstarb im Dezember 1944 an einer schweren Krankheit.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges engagierte sich Kurt Witkowski weiterhin für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes setzte er sich für die Errichtung des OdF-Denkmals zwischen Schloss und Stadtkirche ein.

Die Lebenswege der drei überlebenden Familienmitglieder führten später weg aus Ludwigslust. Kurt Witkowski sen. verstarb 1995 in Rostock, wo er auch beigesetzt wurde. Sein Grabstein wurde inzwischen in einen dort neu geschaffenen Gedenkort für die Verfolgten des Nationalsozialismus integriert.

Mit den Stolpersteinen am Laascher Weg 7 erhält die Familie Witkowski nun auch in Ludwigslust ein dauerhaftes Erinnerungszeichen. MdL Christian Winter würdigte in seinem Grußwort die Bedeutung solcher dezentraler Gedenkorte, die das Andenken wachhalten und zum Nachdenken anregen.

Ein besonders bewegender Moment der Veranstaltung war die Anwesenheit von Eva Hachtmann, geborene Witkowski. Die hochbetagte Tochter der Familie nahm an der Verlegung der Stolpersteine teil – Steine, die nun an ihre Familiengeschichte erinnern. Viel sagen konnte sie nicht mehr, doch ihre wenigen Worte berührten die Anwesenden tief: „Ein Leben lang habe ich Verachtung erlebt. Jetzt diese Versöhnung … ich bin einfach sprachlos.“

Musikalische Beiträge und das Niederlegen von Blumen rundeten die Gedenkfeier ab.

Die Stolpersteine am Laascher Weg 7 sind damit nicht nur kleine Messingtafeln im Pflaster. Sie sind ein stiller Ort des Innehaltens – und erinnern an eine Familie aus Ludwigslust, die trotz Ausgrenzung und Gefahr Menschlichkeit bewahrte.