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18.12.2019

Projekt Dialog und Teilhabe

Das Jahr 2019 im Rückspiegel

Integration, Dialog und Teilhabe – das sind Themen, mit denen sich Ludwigslust in diesem Jahr sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Dabei gab es vier Hauptthemen, die die Arbeit in diesem Jahr bestimmten: zum einen ist es die Arbeit des Integrationsbeirates, dann das Projekt Dialog und Teilhabe, die Durchführung von Dialogforen und die Durchführung der Projekte von Zugewanderten für Zugewanderte. 

Integrationsbeirat

Der Integrationsbeirat als beratendes Gremium der Stadtvertretung trifft sich regelmäßig einmal im Monat. Themen sind die Steuerung des Projektes „Dialog und Teilhabe“, die Beförderung des Leitbildes und die Einbeziehung des Jugend- und des Seniorenbeirates.

Der Integrationsbeirat unterstützte die Durchführung von Festen, wie im August das Picknick im Schlosspark, das Kinderfest in der Gemeinschaftsunterkunft oder das Sommerfest im Zebef. Im Mai, Juli, August und November wurden „Interkulturelle Frauenabende“ durchgeführt.

Die Mitglieder des Integrationsbeirates verstehen sich aber auch als Kulturmittler im Umgang mit integrationsspezifischen Konflikten. Sie beschäftigten sich mit konflikthaften Themen wie der Wohnungssituation, der Wahrnehmung von Diskriminierung und dem Umgang damit. Dazu gab es eine enge Kooperation mit der Polizei. 

Projekt Dialog und Teilhabe

Das Projekt wird für den Zeitraum vom 17.01.2019 bis 31.12.2020 durch die Robert-Bosch-Stiftung gefördert. Kernstück des Projektes ist die Umsetzung der Ziele und Arbeitsschwerpunkte des Integrationsbeirates der Stadt, die sich in vielen Teilen mit den Erkenntnissen aus der bisherigen Zusammenarbeit mit dem Forum Ziviler Friedensdienst e.V. decken.

Sieben Honorarkräfte, sechs davon mit Migrationshintergrund, setzen das Projekt um. Ziel ist es Begegnungsorte zu schaffen, Austausch und Kontakt zu befördern, Erkenntnisse zu generieren und die nachhaltige Einbindung der gewonnenen Akteure zu gewährleisten. Das Langzeitziel ist die Stärkung des Gefühls der Zugehörigkeit. 

Dialogforen

Erstmals wurden in diesem Jahr Dialogforen durchgeführt. Damit soll das Leitbild weiter in die Stadtgesellschaft gebracht werden und Begegnungsräume geschaffen werden, die den Dialog und den Austausch auch zu kontroversen Themen befördern. Die Projektleitung obliegt dem Integrationsbeauftragten der Stadt. Er begleitet und berät das Team. Gemeinsam mit dem Integrationsbeirat werden die Prozesse reflektiert.

Honorarkräfte der Stadt setzen diese Dialogforen in Unternehmen, Behörden, im Bildungsbereich, in Vereinen und Verbänden und kirchlichen Organisationen um. Bisher waren die Dialogformate so gewählt, dass sie direkt vor Ort im Unternehmen oder in einer Institution stattgefunden haben: im März im Unternehmen Rattunde, im Mai im Unternehmen Lewens und im August in der Volkssolidarität. Im Oktober fand ein Dialogforum in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule statt. Etwa 40 Personen nahmen daran teil. Im November wurde das Dialogforum auch in der Schulkonferenz der Fritz-Reuter-Grundschule vorgestellt und wird nun im März 2020 an dieser Schule durchgeführt.

Im Ergebnis der Dialogforen wurde auf Antrag der Fraktionen Die Linke, SPD und CDU durch die Stadtvertretung beschlossen, in Ludwigslust eine Stelle für einen „Welcome-Lotsen“ bzw. für eine Fachkraft für soziale Netzwerke und Partizipation/Teilhabe zu schaffen. Der Wellcome-Lotse soll eine Anlaufstelle zur sozialen Eingliederung für Neubürger, insbesondere für Fachkräfte, Rückkehrer, Studierende und interessierte Zuzügler sein. Für eine Anschubfinanzierung wurde ein Förderantrag beim Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit gestellt. 

Projekte von Zugewanderten mit Zugewanderten

Menschen, die neu in unserer Stadt sind, bringen immer wieder zum Ausdruck, dass sie sich aktiv einbringen möchten. So wurden 2019 viele Projekte „Von Zugewanderten für Zugewanderte“ durchgeführt. Dazu führten die Honorarkräfte im März und April zahlreiche Interviews, um so die Bedarfe und Themen der Migranten in Erfahrung zu bringen. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Projekte. 

Mit Unterstützung des Integrationsbeirates und des ökumenischen Helferkreises wurde so im Juni das Zuckerfest mit Migranten durchgeführt. Im gleichen Monat fand in einem lokalen Sportverein ein Schnupperkurs mit arabischen Frauen statt. Seit August sind sechs Frauen mit Migrationsgeschichte dem Verein beigetreten und nehmen einmal wöchentlich an dem Sportkurs für Frauen teil.

In zwei städtischen Kitas fand das Projekt „Erzähle uns eine Geschichte von deinem Heimatland!“ statt, im Dezember 2019 wird es gemeinsam mit den Eltern in der Gemeinschaftsunterkunft im Techentiner Weg durchgeführt. Die Kita Parkviertel wird dieses Projekt als festes Angebot etablieren. Auch die Stadtbibliothek zeigt Interesse an diesem Format und wird es zum Beginn des Jahres 2020 anbieten.

 

Aktiv werden die Zugewanderten auch bei der Unterstützung und der Aktivierung von Bürgern mit Migrationsgeschichte zur Mitarbeit bei Festen: wie dem Picknick im Schlosspark, dem Kinderfest in der Gemeinschaftsunterkunft, bei den fast monatlich stattfindenden Interkulturellen Frauenabenden, dem Sommerfest im Zebef, dem Weihnachtsfest in der Gemeinschaftsunterkunft und dem monatlich stattfindenden Cafe der kulturellen Vielfalt im Zebef. Der September 2019 stand im Zeichen eines Straßenfestes im Parkviertel. Über 100 Menschen unterschiedlichster Herkunft waren daran beteiligt.

All diese Veranstaltungen sind wahre Gemeinschaftsveranstaltungen. Aktiv daran beteiligt sind der ökumenische Helferkreises, der Integrationsbeirat, einzelne engagierte Bürger der Stadt sowie die Mitarbeitenden des Projekts „Dialog und Teilhabe“. 

Zu den Arbeitsfeldern des Projekts „Zugewanderten für Zugewanderte“ gehört aber auch die Wahrnehmung von Diskriminierungserfahrungen. Um Lösungen für integrationsspezifische Konflikte zu finden, wird ein regelmäßiger Austausch mit dem Projektleiter, dem Forum Ziviler Friedensdienst und dem Integrationsbeirat gepflegt.

Zur Qualifizierung der eigenen Tätigkeit, haben Mitglieder des Integrationsbeirates, die Projektmitarbeiter und Menschen, die beruflich mit der Integration befasst sind, an der Fortbildung „Konflikte erkennen und lösen!“ teilgenommen. Ziel der Fortbildung ist es, Konfliktlotsen aus der Stadtgesellschaft zu befähigen, kultursensibel niederschwellige Konflikte möglichst selbst lösen zu können. Sylvia Wegener/Antonie Armbruster-Petersen