Inhalt

Energie & Klima

Ludwigslust ruft den Klimanotstand aus

Klimaschutz ist kommunale Verantwortung. Am 15. Mai 2019 hat die Stadtvertretung Ludwigslust den Klimanotstand erklärt. Damit bekennt sich die Stadt dazu, den Klimawandel als akute Bedrohung ernst zu nehmen und den Klima- und Umweltschutz zur  Aufgabe ihrer politischen und administrativen Arbeit zu machen. Was bedeutet das konkret? Mit dem Beschluss geht Ludwigslust über symbolische Worte hinaus. Der Klimanotstand bedeutet:

  • Klimaschutz fließt systematisch in alle kommunalen Entscheidungen ein – z. B. bei Bauprojekten, Verkehrsplanung, Energieversorgung und Haushaltsfragen.
  • Maßnahmen zur CO₂-Reduktion werden in der Stadtentwicklung gezielt vorangetrieben, etwa durch den Ausbau des Radverkehrs, die Förderung energieeffizienter Gebäude und mehr Grünflächen.
  • Erneuerbare Energien sollen konsequenter genutzt und gefördert werden – in öffentlichen Gebäuden wie auch in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern.
  • Bildung und Beteiligung sind zentrale Bausteine: Klimaschutzprojekte an Schulen, öffentliche Informationsangebote und Bürgerdialoge sollen ein Bewusstsein für nachhaltiges Handeln schaffen.
  • Die Stadtverwaltung arbeitet an einem kommunalen Klimaschutzkonzept, das Ziele, Zeitpläne und messbare Fortschritte festlegt.

Gemeinsam für eine lebenswerte Zukunft - Ludwigslust möchte damit nicht nur ein Zeichen setzen, sondern konkrete Veränderung anstoßen – gemeinsam mit der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft und überregionalen Partnern. Die Stadtvertretung Ludwigslust lädt daher alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich aktiv einzubringen – für eine klimafreundliche, zukunftsfähige Stadt.


Aktuelles

Rückblick auf Einwohnerversammlung am 14.04.26

Zwischen Blühwiese und Wärmenetz: Wie Ludwigslust um seine Zukunft ringt

Wie sieht das Ludwigslust von morgen aus? Diese Frage zog sich wie ein roter Faden durch die Einwohnerversammlung am 14. April 2026. Es ging nicht um abstrakte Strategien – sondern um ganz konkrete Veränderungen vor der eigenen Haustür.

Mit dem Klimaschutzkonzept verfolgt die Stadt ein großes Ziel: Ludwigslust soll bis 2040 klimaneutral werden. Ein ambitionierter Weg, der alle betrifft – Verwaltung, Unternehmen und jede einzelne Bürgerin und jeden einzelnen Bürger.

Doch schon zu Beginn wurde deutlich: Der Weg dorthin ist komplex. Aus der Bürgerschaft kam der Hinweis, dass wichtige Faktoren wie Abfallströme, Abwasser oder auch die CO₂-Bilanz großer Unternehmen bislang nicht vollständig einbezogen sind. Klimaschutz, so wurde spürbar, ist kein fertiges Konzept – sondern ein Prozess, der weiter entwickelt werden muss.

Wenn das Summen leiser wird

Besonders greifbar wurde das Thema beim Blühwiesenkonzept. Die Zahlen sind eindrücklich: Rund 75 Prozent der Insekten sind in den letzten 30 Jahren verschwunden. Eine stille Entwicklung – mit großen Folgen. Denn ohne Insekten fehlt nicht nur das Summen im Sommer, sondern auch ein entscheidender Teil unserer natürlichen Lebensgrundlage: Bestäubung, Artenvielfalt und letztlich auch unsere Ernährung. Doch gerade im Alltag zeigen sich die Herausforderungen. Warum werden Baumscheiben in der Schloßstraße noch nicht überall nach dem Konzept bepflanzt? Warum müssen Begrünungen an Gebäuden teilweise verschwinden, obwohl sie früher dort waren? Und wie passt das alles zu einer Stadt, die eigentlich mehr Grün in den Straßen will?

Die Antworten aus der Verwaltung machten deutlich: Es gibt viele Regelwerke, die gleichzeitig gelten – vom Denkmalschutz bis zur Gestaltungssatzung. Diese sind oft ein Kompromiss zwischen unterschiedlichen Anforderungen. Gleichzeitig wurde aber auch offen gesagt: Genau diese Regelungen stehen dem Klimaschutz teilweise im Weg und müssen weiterentwickelt werden.

Auch aus den Kleingärten kam der Hinweis, dass Blühwiesen dort nicht immer leicht umzusetzen sind. Zu viele Vorgaben, zu wenig Spielraum – obwohl eigentlich genau dort viel für die Natur entstehen könnte.

Und selbst bei bestehenden Blühflächen zeigt sich: Natur ist nicht planbar wie ein Bauprojekt. In der Klenower Straße etwa sehen die Flächen unterschiedlich aus – je nach Boden und Standort. Die Stadt will hier nachsteuern und künftig vielfältigere Saatgutmischungen einsetzen.

Wärme, die aus der Stadt selbst kommt

Ein weiteres großes Thema war die Frage: Wie heizen wir in Zukunft in Ludwigslust?

Hier spielen die Stadtwerke eine zentrale Rolle. Sie sorgen heute schon dafür, dass Wärme zuverlässig in den Haushalten ankommt – meist noch über klassische Heizsysteme. In Zukunft soll sich diese Versorgung Schritt für Schritt verändern.

Die kommunale Wärmeplanung zeigt dabei zunächst nur eine Richtung, noch keine fertigen Lösungen. Sie macht grob sichtbar, wo in den kommenden Jahren Fernwärme entstehen könnte und wo eher nicht.

Dabei wurde deutlich: Ein Anschluss an ein Fernwärmenetz wird nicht überall möglich sein. Besonders in den Ortsteilen ist dies aufgrund der räumlichen Lage eher unwahrscheinlich. Im Stadtkern hingegen gibt es grundsätzlich Potenzial – dort muss aber noch im Detail geprüft werden, wo und wie neue Versorgungsleitungen überhaupt verlegt werden können. Erst wenn diese Planung durch die Stadtwerke konkretisiert ist, lässt sich sagen, welche Gebäude tatsächlich angeschlossen werden können.

Für die Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet das: Dort, wo kein Fernwärmeanschluss möglich sein wird, müssen eigene Lösungen gefunden werden – etwa durch Wärmepumpen oder andere Heizsysteme. Welche Option im Einzelfall sinnvoll ist, hängt stark von Lage, Gebäude und zukünftiger Netzentwicklung ab.

Gleichzeitig wurde im Rahmen der Versammlung ein erster grober Überblick über mögliche Versorgungsräume gegeben. Noch ist vieles in Bewegung – und genau deshalb ist die Planung so wichtig: Sie schafft überhaupt erst Klarheit darüber, wo sich welche Lösung entwickeln kann.

Ein konkreter Baustein der Zukunft ist die Nutzung von Abwärme aus der Industrie. Ein Beispiel ist das Unternehmen ALBA, dessen bisher ungenutzte Wärme künftig in ein Netz eingespeist werden soll. Erste Haushalte könnten voraussichtlich ab 2029 angeschlossen werden.

Damit wird deutlich: Die Stadtwerke werden in den kommenden Jahren zu einem zentralen Gestalter der Wärmewende – nicht nur als Versorger, sondern als Planer und Umsetzer eines völlig neuen Systems der Wärmeversorgung.

Alle Präsentationen der Veranstaltung finden Sie hier: